Einen Palettierroboter zu kaufen heißt nicht, einen Roboter auszuwählen; es heißt, das Ende der Linie neu zu gestalten. Kommen Säcke oder Kartons? Wie viele Packschemata? Wo kommt die Palette herein, wer holt sie ab? Die Antworten auf diese Fragen bestimmen den Roboter, nicht umgekehrt. In der Reihenfolge, in der wir sie uns bei der Verpackungs- und Palettierautomation an einer Lebensmittellinie gestellt haben:
Eine Zelle, fünf Fragen
01 / 05
Last
Die Traglast im Katalog gilt für Produkt plus Greifer. Zu einem 25-kg-Sack kommen 10-15 kg Greifer; beim Beschleunigen mehr.
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Reichweite
Die entfernteste Ecke, die oberste Lage. Das Layout entsteht in 3D; ohne Test des ungünstigsten Falls wird kein Roboter gewählt.
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Zyklus
Greifen, transportieren, drehen, ablegen, zurückfahren, dazu die Kameraprüfung: Diese Summe muss den Linientakt erfüllen.
04 / 05
Sicherheit
Der Stapler fährt ein, der Bediener wechselt die Folie. Jeder Zugang ist ein Szenario: Lichtvorhang, Türverriegelung, Laserscanner.
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Packschema
Für ein neues Packschema wird kein Service gerufen; der Bediener legt Lagenzahl, Anordnung und Zwischenlage am HMI fest.

1. Wie schwer ist das Produkt wirklich, und zwar mit Greifer?
Die Traglast im Katalog gilt für Produkt plus Greifer. Kaufen Sie für einen 25-kg-Sack keinen 25-kg-Roboter. Ein Vakuum- oder Gabelgreifer bringt leicht 10 bis 15 kg mit; unter dynamischer Last (Beschleunigung) wird es noch mehr. Wir legen die Traglast erst fest, nachdem der Greifer konstruiert ist, nicht vorher.
2. Erreicht er die entfernteste Ecke der Palette?
Die Reichweite wird vom Roboterfuß aus gemessen, nicht an der Greiferspitze. Doppelpalettenplätze, hohe Stapel (fünf bis sechs Lagen) und Zwischenlagen auf der Palette kosten alle Reichweite. Wir wählen keinen Roboter, bevor das Layout in 3D steht und der ungünstigste Fall getestet ist: die entfernteste Ecke, die oberste Lage.
3. Schafft der Zyklus den Linientakt, oder nur der Roboter sein Tempo?
Die „2 Meter pro Sekunde“ des Roboters sagen Ihnen nichts. Sack aufnehmen, transportieren, nach Packschema drehen, ablegen, zurückfahren: Es zählt die Summe. An der Lebensmittellinie kam noch eine Prüfung per Bildverarbeitung hinzu: Jede Packung läuft an einer Kamera vorbei, Packungen mit fehlerhaftem Druck kommen gar nicht erst in die Linie. Auch die Dauer dieser Prüfung gehört zum Takt.
4. Wie verträgt sich das Produkt mit dem Greifer?
Säcke und Kartons brauchen unterschiedliche Greifer; bei Säcken reicht Vakuum oft nicht, es braucht einen Gabelgreifer. Bewegt sich das Produkt im Sack (Tee, Mehl, Granulat), muss der Greifer das tolerieren. Am meisten Konstruktionszeit hat nicht der Roboter gekostet, sondern der Greifer. Der Roboter ist Standard; der Greifer ist so individuell wie Ihr Produkt.
5. Wer betritt den Schutzbereich, und wie?
Der Stapler fährt ein, um die Palette zu holen. Der Bediener wechselt die Folienrolle. Jeder Zugang ist ein Sicherheitsszenario: Lichtvorhang, Türverriegelung, Sicherheitslaserscanner oder eine Kombination daraus. Das bei der Installation mitzudenken kostet ein Drittel dessen, was es nach der Installation kostet. Mit der neuen EU-Maschinenverordnung, die ab 2027 gilt, werden die Dokumentationspflichten noch strenger; dazu haben wir einen eigenen Beitrag geschrieben.
6. Wer programmiert, wenn sich das Packschema ändert?
Wenn Sie für ein neues Packschema den Service rufen müssen, haben Sie keine Automation gekauft, sondern eine Abhängigkeit. Wir haben die Packschemata über das HMI definierbar gemacht: Lagenzahl, Anordnung, Zwischenlage. Der Bediener legt neue Schemata selbst an. Das wurde der unsichtbarste, aber meistgenutzte Teil der Software in diesem Projekt.
7. Was macht die Linie, wenn der Roboter steht?
Störung, Wartung, Warten auf Paletten. Bauen Sie nicht, ohne einen Bypass (eine manuelle Palettierstelle) einzuplanen, über den die Linie vorübergehend auch ohne Roboter laufen kann. Außerdem muss der Roboter seinen Zustand an das übergeordnete System melden: warum er steht, seit wann er steht. Diese Daten sind nach einem Monat Ihre wertvollste Grundlage für die Instandhaltung.
Sind diese sieben Fragen beantwortet, ergeben sich Robotermarke und Modell meist von selbst. Deshalb ist „Welcher Roboter?“ unsere letzte Frage.